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Laetitia Colombani "Das Haus der Frauen"


Inhalt "Das Haus der Frauen"

Zwei Erzählstränge:

Paris 1925. Blanche Peyron und ihr Mann Albin gehören zu den Gründern der Heilsarmee in Frankreich. Sie setzen sich für die Ärmsten der Armen, und hier vor allem für die Frauen und Kinder ein. Zunächst von der Öffentlichkeit belächelt und verschmäht, gewinnt die Heilsarmee in Frankreich immer mehr an Ansehen und krönendes Projekt ihres Einsatzes ist die Einrichtung des Palastes – Zufluchtsort für Frauen aus den unteren Schichten.

 

Paris heute. Solène ist erfolgreiche Anwältin - bis ein Klient sich noch im Justizgebäude in den Tod stürzt. Das wirft sie komplett aus der Bahn und sie fällt in ein Burn-out. Ihre Psychologin empfiehlt ihr, sich ehrenamtlich irgendwo einzusetzen und so landet Solène als Öffentliche Schreiberin im „Haus der Frauen“, eben jenem Objekt, das vor hundert Jahren Blanche initiiert hat.


Mieze-Kritik zu Laetitia Colombani "Das Haus der Frauen"

Ich bin ganz begeistert von der Idee und dem historischen Hintergrund dieses Buches.

 

Heilsarmee? Ja, gehört, aber was steckt denn dahinter? Bestens, wenn ein Roman dazu bewegt, sich ein wenig Hintergrundwissen zu erschließen – perfekt! Und dann noch bestückt ist mit einer so interessanten und starken historischen Figur wie Blanche Peyron.

So denn der Schwenk zu Solène ins moderne Paris, Anwältin, Burn-out, und sie landet deswegen schließlich in gerade dem Haus, das Blanche gegründet hat und kommt in Kontakt mit Frauen, zu denen sie sonst nie Zugang gefunden hätte – finde ich spannend…

 

Deswegen war ich auch gleich im Buch drin. Der Haken, das Aber kommt jedoch. Leider.

 

Laetitia Colombani spricht vieles an, fast zu viel für 255 Seiten: Armut, Migration, Beschneidung, Obdachlosigkeit, Vergewaltigung, Missbrauch, verlassene Stiefväter, Burnout, Selbstmord – aber immer irgendwie ohne Tiefe. Es ist mehr ein Be-Schreiben der Dinge, als dass sie ein Erleben derer ermöglicht. Es ist nicht so, dass mich die Geschichten der Frauen in dem Buch kalt lassen, aber sie erreichen mich nicht wirklich, so wie sie hier beschrieben sind, berühren sie mich nicht. Es fehlt die oft gewünschte Nähe zu den Figuren. Und! Die Liebesgeschichte zwischen Albin und Blanche wäre so was von ausbaufähig! Das ganze Buch habe ich darauf gewartet, dass da noch mehr passiert…

 

Schließlich auch immer wieder Phrasen wie etwa: Das Gefühl, das einem das Leben wie Sand zwischen Fingern zerrinnt. Als säße man in einem Zug, in den man nicht einsteigen wollte, den man aber nicht anhalten kann (S. 222).

 

So also nur:

Die Lektüre ihres Erstlingsromans „Der Zopf“, der Laetitia Colombani berühmt gemacht hat, wird jedoch dennoch unbedingt folgen 😊.


Laetitia Colombani "Das Haus der Frauen", Aus dem Französischen von Claudia Marquardt, S. Fischer Verlag GmbH 2020, 255 Seiten, ISBN 978 3 10 390003 3

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