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Julius Fischer "Ich hasse Menschen - eine Abschweifung"


Ich hasse Menschen. Kennst du dieses Gefühl? Haben wir es nicht alle irgendwann mal irgendwie? Hatte nicht jeder irgendwie schon mal einen Hassanfall und war extremst genervt von irgendwas oder irgendjemanden? 

 

So geht es auch dem schriftstellernden Ich-Erzähler alias Julius Fischer, der im Zug nach Köln sitzt, um sich dort mit seiner Agentur zu treffen. Viel Zeit und (mehr oder minder) Muße, die Gedanken aufploppen zu lassen: über die böse gemeine Welt und seine Erlebnisse und Erfahrungen mit den verschiedensten Kategorien böser und gemeiner Menschen darin.


Es sind einfach alle außer mir Idioten. (S. 27)

Julius Fischer "Ich hasse Menschen - eine Abschweifung"
Julius Fischer "Ich hasse Menschen - eine Abschweifung"

Eltern an sich und Kinder im Besonderen, Radfahrer, Rentner, Studenten, die Sachsen… Autos, Lügen, Nationalitäten, Dresden, die SGD!, Spiele und ihre komplexen Regelwerke, Umzüge, Kieser-Training, das Informationszeitalter, Sprachnachrichten (oh, ich verstehe ihn ganz arg) und so weiter – der Dinge und Personen bieten sich viele, um daran seinen HASS loszuwerden und zu beschreiben … und immer wieder freilich an seinem Gegenüber im Zugabteil, dem Möhrenmann…

 

Ja, Julius Fischer bedient und behandelt Vorurteile und Klischees, wirft sie aber auch immer wieder auf sich selbst zurück, er scheut in seinen Hasstiraden nicht die Gründe derer auch in sich selbst zu spiegeln. Dadurch macht das Lesen Freude und den Autor macht’s sympathisch. Glaubt’s: Jede/r wird hier etwas finden, wovon er definitiv schon einmal oder zweimal oder … genervt war. Versprochen!

 

Manches Mal sind mir die Gags allerdings etwas über der Spitze drüber (over the top 😉), ich möchte zuweilen doch gerne mal die Spaß-Pause-Taste drücken oder dem Autor an die Gurgel gehen. Jetzt mal ernsthaft: ich hasse Julius Fischer dann.

 

Lest ihn gefälligst, um mich zu verstehen.

 

Ein intelligenter, charmanter, positiv nerviger Spaß, für mich mit dem stillen implizierten Aufruf, das Ganze und das Einzelne nicht immer und überhaupt so ernst zu nehmen!

 

Das P.S. muss sein und ist die Passage über die Sprachnachrichten, Zitat S. 69:

 Ich hasse Leute, die Sprachnachrichten versenden. Ich habe einen Freund, der macht das ganz passioniert. Und deshalb bekommt er von mir Sprachnachrichten, wo ich extra schlecht zu verstehen bin oder erst nach einer Minute überhaupt rede. Neulich habe ich ihm eine Mischung aus Sprach- und Textnachricht geschickt. L gesprochen. O geschrieben. Dann wieder L gesprochen. Seitdem ruft er wieder an, wenn er was von mir will.


Julius Fischer ist Autor, Liedermacher und Moderator. Er ist Mitglied diverser Lesebühnen, u. a. der Lesedüne mit Marc-Uwe Kling. Zusammen mit Christian Meyer präsentiert er die TV-Show Comedy mit Karsten im MDR und spielt in der Band The Fuck Hornisschen Orchestra. Außerdem ist er neben Olaf Schubert in der ARD-Sendung Olaf macht Mut zu sehen. Julius Fischer lebt in Leipzig.


Julius Fischer, Ich hasse Menschen, Eine Abschweifung, Verlag Voland & Quist GmbH, 5. Auflage, Dresden und Leipzig 2020, 158 Seiten, ISBN 978 3 86391 196 6

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