· 

Brigitte Reimann / Irmgard Weinhofen "Grüß Amsterdam"


„Grüß Amsterdam“ dokumentiert den Briefwechsel zwischen der Schriftstellerin Brigitte Reimann (1933-1973) und der Germanistin Irmgard Weinhofen (geb. 1931) zwischen den Jahren 1953 bis 1973. 


Brigitte Reimann / Irmgard Weinhofen "Grüß Amsterdam"
Brigitte Reimann / Irmgard Weinhofen "Grüß Amsterdam"

Schon in dem sehr schönen Vorwort durch Irmgard Weinhofen erspürt man die tiefe Dimension ihrer Freundschaft, die die beiden Frauen aufs Engste trotz der Entfernung zwischen Ostdeutschland und den Niederlanden verband.

 

Diese Ahnung, die Weinhofen auf den ersten Seiten des Buches gibt, bestätigt sich im Buch voll und ganz, und ich lese auf eine intensiv berührende und warme Weise, wie zugewandt, offen, ehrlich und ganz und gar vertrauensvoll Reimann und Weinhofen schreibend - und somit wohl auch in echt - in jeglichen Fragen des Lebens miteinander umgingen.

 

Damit wird diese Dokumentation der Beziehung der Freundinnen zu einem Zeitzeugnis – wie schon zwischen Reimann und Wolf – der Jahre Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg und insbesondere der Befindlichkeiten in dessen ostdeutschem Teil.  

 

Hier - wie auch da in „Sei gegrüßt und lebe“ – schreiben sich zwei völlig unterschiedliche, aber sich stets respektierende Frauen, die beide äußerst reflektiert mit sich und der konträren gesellschaftlichen Umwelt umgehen, und sich stets in kritischer Auseinandersetzung damit befinden.

Oh Gott, ich bin so hungrig aufs Leben! (S. 218)

Die Krankheitsgeschichte Reimanns wird wieder, wie auch anders, zum dominierenden Thema, aber zeigt sich das sie umspannende Netz aus Freund*innen hier viel deutlicher als bei Reimann/Wolf, die jedoch immer hilfloser dem Leiden Reimanns gegenüberstehen.

 

So wird dieser Austausch für mich zu einem weiteren Puzzleteil, das das Bild der Person und Schriftstellerin Brigitte Reimann vervollständigt.

 

Durch die wechselseitig wertschätzende und immer ebenbürtige Beziehung der Freundinnen wird er so wertvoll und an jeder Stelle lesenswert.


Brigitte Reimann, geb. 1933 in Burg bei Magdeburg, war seit ihrer ersten Buchveröffentlichung freie Autorin. 1960 zog sie nach Hoyerswerda, 1968 nach Neubrandenburg. Nach langer Krankheit starb sie 1973 in Berlin. Sie schrieb "Die Frau am Pranger" (1956), "Ankunft im Alltag" (1961), "Die Geschwister" (1963), "Das grüne Licht der Steppen. Tagebuch einer Sibirienreise" (1965) sowie den unvollendeten Roman "Franziska Linkerhand" (1974, vollständige Neuausgabe 1998). Außerdem erschienen die Briefwechsel mit Christa Wolf, "Sei gegrüßt und lebe. Ein Freundschaft in Briefen 1964-1973" (1993), mit Hermann Henselmann, "Mit Respekt und Vergnügen" (1994), und "Aber wir schaffen es, verlass Dich drauf. Briefe an eine Freundin im Westen" (1995) sowie "Ich bedaure nichts. Tagebücher 1955-1963" (1997) und "Alles schmeckt nach Abschied. Tagebücher 1964-1970" (1998).

 

Irmgard Weinhofen, geb. 1931 in Burg bei Magdeburg, Germanistin, war u. a. Lehrerin; 1959 Heirat mit einem Niederländer, mit dem sie 1963 nach Amsterdam zog, wo sie bis vor einigen Jahren lebte. Mit Brigitte Reimann war sie seit 1948 befreundet.

(Das Biografische ist zitiert aus dem Buch.)


Brigitte Reimann, Irmgard Weinhofen "Grüß Amsterdam", Briefwechsel 1956-1973, Herausgegeben von Angela Drescher und Dorit Weiske, Aufbau Taschenbuch Verlag, 1. Auflage 2003, 344 Seiten, ISBN 3 7466 1937 8

Kommentar schreiben

Kommentare: 0