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Britta Röder "Zwischen den Atemzügen"


Ausbrechen, wegrennen, einfach los, alles hinter sich lassen - das ist, was Oliver und Leokadia verbindet, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Oliver findet seine Arbeit und sein Leben im tatsächlichen Sinne zum Kotzen, Leokadia mag sich nicht der tödlichen Diagnose stellen. Also ein Auto geklaut und einfach weg! Wer wollte das nicht schon irgendwie mal: einfach alles hinter sich lassen, einfach ein anderes Leben beginnen mit diesem: „… kribbelige[n] Gefühl von unermesslicher Zeit und Freiheit…“ (S. 24)?


Britta Röder "Zwischen den Atemzügen"
Britta Röder "Zwischen den Atemzügen"

Ein, aus, ein, aus… – was mit grundlegend am Leben hält – das Atmen - bestimmt den Rhythmus dieses kurzweiligen und schwungvollen Romans „Zwischen den Atemzügen“ von Britta Röder. Und damit mein Lesen.

 

Wie Atemzüge pulsieren und drängen mich die einzelnen Abschnitte durch die Reise, die Flucht Leokadias und Olivers und ihrer beiden Verfolger, Gabor, einem Arbeitskollegen Olivers, und Jean-Loup, einem zwielichtigen Polizisten. 

 

Raffiniert: Die Abschnitte/Atemzüge sind verzahnt: Sie enden und beginnen ähnlich, da sind immer ein Gedanke oder ein Wort, die von einem Abschnitt in den nächsten fortführen – Atemzug um Atemzug. Weiter, immer weiter! Halte ich inne nach dem Einatmen, nach dem Ausatmen, nach dem Ende eines Atemzuges, eines Abschnittes, vor dem neuen? Gönne ich mir eine Pause? Nein, denn ich lasse mich vom unkomplizierten Schreibrhythmus der Autorin treiben und mein Lesen und Atmen gleiten weiter und weiter…

Und doch, dann stockt es immer wieder: Der Tod ist überall, die Todesfälle häufen sich auffallend um die Hauptfiguren herum auf ihrem Roadtrip - ich kann mich nicht daran gewöhnen, ich will mich nicht daran gewöhnen und doch: Ich muss. ER gehört zum Leben. Der Tod.  

 

Seine Omnipräsenz ist mit einer erstaunlichen Leichtigkeit in die Geschichte eingebaut und schockiert mich dennoch immer wieder. Als Gegenstück hätte ich gerne Leokadia und Oliver noch näher an mich herangelassen, mehr aus ihrem Leben erfahren, so wie bei Gabor, der mir mit der Geschichte seines Lebens am nächsten gekommen ist.

 

Die klare Botschaft Britta Röders ist deswegen auch: Dieses Buch ist dem Leben gewidmet. Dem magischen Hier und Jetzt. Eine Bitte, auch mal Fesseln zu lösen, sich der Macht der Zufälle zu ergeben und die gerade Lebenslinie zu verlassen.

 

Denn das will und braucht doch jede/r mal, nicht wahr? 

 

Darum: „Zwischen den Atemzügen“ lesen!


Aus der Klappe: 1967 in Trier geboren und in Mainz aufgewachsen, studierte Britta Röder bis zum Magisterabschluss an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Romanistik und Slawistik sowie Mittlere und Neuere Geschichte. Sie arbeitet in Frankfurt/Main bei einem großen Fachzeitschriftenverlag und lebt in Südhessen, zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter. "Die Buchwanderer", erschienen 2011 im ACABUS-Verlag, war ihr erster Roman.

 -  Herzlichen Dank für das Leseexemplar! - 


Britta Röder, Zwischen den Atemzügen, Fehnland Verlag, 1. überarbeitete Neuauflage, Hamburg 2022, 231 Seiten, ISBN 978 3 96971 077 7

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