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Maxie Wander "Tagebücher und Briefe"


Maxie Wander (1933–1977), eigentlich Elfriede Brunner, war gebürtige Österreicherin. In einer kommunistisch geprägten Familie aufgewachsen, folgt sie ihrem Lebensgefährten und späteren Mann, dem Schriftsteller Fred Wander, der 1955 ein Stipendium am Literaturinstitut in Leipzig erhält, in die DDR. Dem Konstrukt und der Idee der DDR zugewandt, bleiben sie ihr Leben lang dort - wenn auch immer kritisch eingestellt und sich der Mängel und Unzulänglichkeiten des Systems bewusst.

 

Wanders Briefe, Gedanken und Notizen aus den Jahren zwischen 1968 bis zu ihrem viel zu frühen Tod 1977 hatten mich sofort – ich mochte ihren Ton, ihre Art und Weise zu schreiben von der ersten Seite an. Sie beschreibt sich, die Menschen und die Dinge um sie herum mit einem warmen, nahen und liebevollen Blick und dabei immer zweifelnd und so verletzlich. 


Das Leben entscheidet immer für sich… (S. 112)

Maxie Wander "Tagebücher und Briefe"
Maxie Wander "Tagebücher und Briefe"

Die Schatten zweier einschneidender Erfahrungen – der Unfalltod der Tochter Kitty und die Krebserkrankung Wanders – liegen dabei über dem Beschriebenen ab dem Zeitpunkt, da sie geschehen. So unbeschreiblich und mit nichts vergleichbar das erstere, bin ich ebenso erschrocken und fassungslos, wie Wander ihre Krankheit erleben muss.  Selbst der menschlichen Unreife der Ärzte gewahr, bleibt für Maxie Wander bis zum Ende die Tragweite ihres Leidens ihr gegenüber unaufgeklärt und unausgesprochen.

 

Vielleicht deswegen erhält sie sich bis zum Schluss die Hoffnung auf eine Zukunft, aber ich spüre bis dahin auch grundsätzlich ihre lebensfrohe Einstellung, den Esprit und die Frische, die an eine angenehme Bodenständigkeit gekoppelt sind. Den Erfolg ihrer eigenen schriftstellerischen Tätigkeit darf sie mit „Guten Morgen, du Schöne“ in den Anfängen noch kurz vor ihrem Tod miterleben.

 

Namen von  Schriftstellerkolleg*innen tauchen auch hier auf, insbesondere die Freundschaft mit Christa Wolf hat sie so wie Brigitte Reimann sehr geschätzt. Bei dieser 1984 in der siebten Auflage erschienenen Ausgabe des Buchverlags Der Morgen vermisse ich allerdings im Anhang Anmerkungen, die Namen und anderes erklären. Dass darauf verzichtet wurde, war vermutlich sogar Absicht der DDR-Organe – die ‚westliche‘ Herkunft der Wanders und viele ihrer Freunde war u. a. sicherlich trotz ihrer DDR-Sympathie immer auch ein Grund für eine Habachtstellung.

 

Gerne zitiert Wander auch andere. Diese Zitate setzt sie in Bezug auf ihre eigene Haltung, so stehen stellvertretend auch für sie die Worte Romain Rollands: „Man lernt nichts, ohne zu irren. Ich habe mein ganzes Leben gefürchtet, mich zu irren … Ich bitte dich, mein Freund, sage mir deinen eigenen Irrtum und nicht die Wahrheit des Nachbarn. Dein Irrtum lehrt mich mehr über dich und die Wahrheit.“ (S. 184)

 

Eine überaus wertvolle Lektüre – Maxie Wander schafft es nie verdrossen zu wirken, trotz allem.


Aus dem Einband dieser Ausgabe: Maxie Wander ist 1933 in Wien geboren, Kind einer Arbeiterfamilie, und aufgewachsen in Hernals, einer der "roten" Vorstadtbezirke Wiens. Ihr Denken und Handeln wurde geprägt von der Solidarität der Bewohner der "Gemeindehäuser" unter dem Terror der Nazizeit. Die entscheidenden Erlebnisse ihrer Kindheit spiegeln sich auch im Buch wider. Ihre Eltern wie auch andere Mitglieder der Familie arbeiteten illegal für die kommunistische Partei Österreichs, ein Fakt, der den Kinder bis 1945 verborgen bleiben musste, sie jedoch fürs Leben vorbereitet hat. Der kämpferische Geist der dreißiger Jahre (aus der Zeit der Illegalität) hat Maxie Wander nie verlassen, ihre "Tagebücher und Briefe" bezeugen es.


Maxie Wander, Tagebücher und Briefe, Herausgegeben von Fred Wander, Buchverlag Der Morgen, Berlin, 7. Auflage 1984, 268 Seiten, (DDR) Bestellnummer: 695 3747

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